Eines Tages kam ein Brief ins Haus. Die Adresse handschriftlich in einer schönen, schnörkellosen Handschrift, schmal, gerade, energisch, geschult in einem technischen Beruf, so sah sie aus.
Der Poststempel unleserlich.
Der Name der Absenderin auf der Rückseite weckte vage Erinnerungen. Ja, da war was, ganz unten in der Schatzkiste der längst vergangenen Ereignisse. Wie war das noch gewesen, damals, vor vielen Jahren?
Als die Welt an jenem Ort, von dem der Brief jetzt kam, grau war und einem der Staub in der Luft fast den Atem nahm. Alles trist und dreckig schien, die Zeit stillgestanden hatte, seit vierzig Jahren unbewegt.
Ein Wochenende in einem Februar, kalt, aus der Zeit gefallen, neblig. Mit Menschen, die wir nie gesehen hatten und wenige nochmals sehen würden. Noch kein Gedanke an die Ereignisse, die die Welt im folgenden Herbst für immer verändern sollten.
Ein Wochenende voller Herzlichkeit und Alkohol, mit Geflügelcocktail und zu vielen Zigaretten. Eine Ferienhütte am Karpfenteich, die man uns überließ. Uns, den Gästen aus dem Westen.
Enge Täler, dichter Wald, privilegiert, weil man etwas hatte, was in der Mangelgesellschaft gebraucht wurde.
Ein Eintrag ins Hausbuch, damit alles seine Ordnung hatte.
Ein Besuch im Ort, in einer Kneipe inmitten der stehengebliebenen Zeit. Kein Licht, keine Leichtigkeit.
Wir waren jung damals, zu jung, um zu ermessen und zu verstehen, wie das Leben dort war. Und warum man ihm später hinterhertrauerte.
Der Brief übrigens erzählte Trauriges, nichts ist geblieben von den Menschen und ihrem Leben.
<
div dir=“ltr“>Hallo Sigrid. De
LikeLike