Haben Sie schon mal von Hobby Horsing gehört? Dieser neuen Sportart, die gerade im Internet für Furore sorgt?

Früher hätte man von Steckenpferden gesprochen, deren natürlicher Lebensraum der Kindergarten war. Manchmal traf man einzelne Exemplare auch in heimischen Gartenhäusern an, meistens in den hinteren Ecken, das Interesse an ihnen erlahmte, sobald „echte“ Ponys erreichbar waren. Ein etwas aus der Zeit gefallenes Kinderspielzeug also, schon fast in Vergessenheit geraten in Zeiten akkubetriebener Mini-Motorräder und Riesentrampoline.

Aber wie so oft überlebt fast Vergessenes in Nischen und wird irgendwann als neuer Trend wiedergeboren. So auch das Steckenpferd aka Hobby Horsing, diesmal als neue Sportart für Kinder und Erwachsene.

Beim ersten Anblick mag es lächerlich erscheinen und bei den meisten wohl nur für eine gewisse Heiterkeit sorgen, bevor man zum nächsten Video weiterklickt.

Ich für meinen Teil hingegen finde es bewundernswert, mit welcher Ernsthaftigkeit die Reiter mit ihrem Pferdchen zwischen den Beinen wie echte Springreiter Hindernisse im Parcours überwinden oder nach Musik Piaffen, Traversalen und Passagen wie Dressurreiter präsentieren.

Und wäre das nicht die Lösung für viele Probleme heutzutage? Hobby Horsing als Vorbild für Nachhaltigkeit. Keine Pferde mehr, die von ihren Reitern über Hindernisse getrieben oder in unnatürlichen Haltungen gezwungen werden, sich in bestimmten Schrittfolgen im Kreis zu bewegen. Oder von Jockeys über die Ziellinie gepeitscht werden. Stattdessen muss der Reiter selbst ran, wenn er das Ziel erreichen will. Selbst springen, tanzen, laufen… die Pferde würden vermutlich amüsiert zusehen und Beifall klatschen. Und die Tierfreunde natürlich auch. Und das Klima erst! Viele Pferde brauchen viel Platz, viel Futter, viele Ressourcen. SUVs mit Pferdeanhänger verbrauchen eine Menge Benzin, Steckenpferde lassen sich im Kofferraum eines Kleinwagens, in der Bahn oder mit dem Rad transportieren. Nachhaltigkeit auf ganzer Linie.

Aber, werden Sie vielleicht einwenden, was ist denn mit den ganzen Arbeitsplätzen in der Branche? All den Tierärzten und -pflegern? Ein Argument, das immer zieht und manche Innovation zuverlässig ausbremst. Naja, ich denke, soweit sind Tiermediziner und Pferdepfleger nicht von ihren Kollegen der Humanmedizin und -pflege entfernt, als dass man sie nicht nach einer Umschulung dort einsetzen könnte, würde ja auch dem Pflegenotstand begegnen. Zwei Fliegen mit einer Klappe, sozusagen (Sorry, Fliege).

Und ließe sich dieses Prinzip nicht auch auf andere Bereiche übertragen? Autorennen mit Tretautos oder Bobbycars beispielsweise. Oder Minikreuzfahrten mit dem Paddelboot. Plüschhunde auf Rollen zum Gassigehen. Und was ist mit dem guten alten Angelspiel aus unserer Kindheit? Oder man folgt dem Prinzip des Kinder-Kaufladens, in dem die Produkte nach dem „Einkauf“ gleich wieder eingeräumt wurden, bereit für den nächsten „Verkauf“, Hauptsache man hatte ein Shopping-Erlebnis! Viel zu viel von dem, was wir meinen, unbedingt besitzen zu müssen, verstaubt doch unbenutzt und schnell vergessen in irgendwelchen Ecken, bevor es irgendwann entsorgt wird, weil selbst der Verkauf über Ebay uns zu mühselig erscheint. Und Spielgeld schont natürlich auch das Portemonnaie!

So viele Möglichkeiten…

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