Sie haben es wieder getan. Die amerikanischen Wähler haben Donald Trump zu ihrem Präsidenten bestimmt. Schon wieder. Wie vor acht Jahren, ich erinnere mich noch gut an den Morgen nach der Wahl, als man dachte, man wäre in einem gruseligen Alptraum gefangen. Man sich nicht vorstellen konnte, dass sie es wirklich getan hatten. Weil man nicht glauben konnte, dass halbwegs vernunftbegabte Menschen jemanden wie Donald Trump zu ihrem Anführer wählen könnten. Dabei wussten wir damals gefühlt wenig bis nichts über ihn.

Heute wissen wir mehr und sind noch fassungsloser, wenn auch nicht ganz so überrascht. Natürlich hatten wir gehofft, uns eingeredet, dass es nicht passieren würde, diesmal nicht. Wie froh waren wir, als mit Kamala Harris ein frischer Wind durch die demokratische Kampagne wehte. Aufbruchstimmung, Freude, gute Laune, Kokosnüsse. Es hätte so schön sein können. Eine schwarze Frau als Präsidentin, genau das, so meinten wir, was das Land brauchen würde. Ein role model für all die jungen Frauen, denen die Chancen nicht zufallen, die kämpfen müssen.  Für People of Color, wen sonst könnten sie wählen? Doch nicht den alten weißen, hassenden Mann, den Egomanen, den verurteilen Straftäter, den Frauenhasser, Despoten-Bewunderer, Rassisten.

Nun, sie haben sich anders entschieden. Nicht die Frauen und auch nicht die gebildeten Eliten an der Ost- und Westküste. Aber zu viele von anderen. Junge schwarze Männer, die darunter leiden, dass schwarze Frauen plötzlich erfolgreicher sind als sie. Latinos, die ihr Familien- und Weltbild nicht mehr abgebildet sehen (weil die Welt schlicht nicht mehr so ist, wie sie sie gerne hätten), die, denen egal ist, wie Trump sich aufführt, solange er dafür sorgt, dass es ihnen persönlich besser geht, dass er es schon hinkriegt. „Trump will fix it“. Und nicht zuletzt die, die ihn gerade deswegen gewählt haben, weil er ist, wie er ist. Die es nicht stört. Die ihn bewundern und gerne auch ein wenig so wären wie er. Ein echter Kerl, rücksichtslos, ein Dealmaker, der der Welt schon zeigen wird, wie’s geht. „Make America great again“. Politics by emotion.

Und wir sind wieder in einem Alptraum gefangen, die schlimmsten Befürchtungen drohen wahr zu werden. „Four more years“. Und wir hätten es wissen können. Hinterher ist man immer schlauer. Hätte das was geändert?

Als Trost fallen mir nur ein paar schale Kalendersprüche ein, wie „Nichts ist so schlimm, dass es nicht für irgendwas gut ist“ oder „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“. Wenig hilfreich an diesem Abend, an dem sich die Medien mit Analysen überschlagen und hiesige Politiker die Situation schön reden.

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